Neujahrsempfang 2016

Neujahrsempfang 2016

DornhanFlüchtlinge – Chance für übermorgen

Schwarzwälder-Bote, 29.01.2016 18:53 Uhr

Der Neujahrsempfang in der Stadthalle wird besprochen (von links): Lothar Reinhardt, ­Bürgermeister Markus Huber, Referent Peer-Michael Dick, Stephan Kaufmann, Marina Ott und Anja Gau

Foto: Steinmetz

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“Hat Baden-Württemberg als Produktionsstandort noch eine Chance?”

Zu diesem Thema spricht Peer-Michael Dick beim Neujahrsempfang in Dornhan.

Dornhan. Die Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHG) sowie die Stadt als gemeinsame Veranstalter haben einen Redner aus der Wirtschaft eingeladen. Dick ist Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall und der Arbeitgeber Baden-Württemberg. Gestern kam er zu einem Informationsgespräch mit IHG-Vorstandsmitgliedern und Bürgermeister Markus Huber nach Dornhan.

“Wir müssen auf uns aufmerksam machen”, erklärte Reinhardt dem Referenten. Das gelinge mit Leistungsschauen, verkaufsoffenen Sonntagen und nicht zuletzt mit dem Neujahrsempfang, zu dem Vertreter der Wirtschaft, der Behörden, Kirchen und Vereine eingeladen sind.

Dick interessierte sich für die Internetversorgung Dornhans. Sie sei teilweise sehr gut, teilweise sehr schlecht, sagte Huber. Allerdings werden über ein kreisweites Projekt bis in anderthalb Jahren, so Huber, alle Ortschaften schnelles Internet bekommen. Defizite gebe es auch noch beim Gewerbe. Hier sei vorgesehen, mit städtischer Unterstützung das Glasfaser bis ans Haus zu verlegen.

Neben der Infrastruktur ist der Facharbeitermangel auf dem Land eine große Sorge. Junge Leute wandern nach der Schule ab und kommen nicht unbedingt wieder zurück. Huber verwies auch auf die demografische Entwicklung. Es gebe immer mehr Ruheständler, die nachrückenden Generationen seien dagegen schwächer. Er könnte sich vorstellen, dass Flüchtlinge – derzeit sind es zwischen 70 und 80 in Dornhan – die Lücken füllen. Eine Chance für die Wirtschaft können sie, so Dick, in der Tat sein, aber nicht für heute oder morgen, sondern allenfalls für “übermorgen”. Die meisten Asylbewerber zwischen 18 und 35 Jahren hätten keine Ausbildung. Anja Gaux, Geschäftsführerin der Firma Backservice Gaux GmbH in Dornhan und IHG-Vorstandsmitglied, hätte, wie sie sagte, für einen gelernten Bäcker jedenfalls sofort einen Arbeitsplatz. Arbeitsplätze würden bei der Integration am meisten helfen, meinte Reinhardt, “da sehen wir schon Chancen”.

Was mit Blick auf den Facharbeitermangel möglicherweise auch Abhilfe schaffen könnte, wäre die Industrie 4.0. Für Reinhardt ist die Frage aber noch offen, ob die zunehmende Automatisierung und Vernetzung “ein Fluch oder ein Segen” sind.

Eine andere Frage ist, ob die Schulen mit der neuen technischen Entwicklung Schritt halten. Man habe Angst, dass die Industrie 4.0 in der Ausbildung nicht ankomme, so Dick. Und wenn dann irgendwann doch, sei die Technik bereits weiter. Ähnliche Erfahrung hat Stefan Kaufmann, in der IHG fürs Handwerk zuständig, gemacht. Viele Berufsschullehrer hätten keinen Bezug zu Neuerungen.

Dick wird in seinem Vortrag die derzeitige wirtschaftliche Lage in Baden-Württemberg schildern, einen Rückblick und Ausblick geben sowie über die derzeitigen Unsicherheiten referieren. Diese betreffen vor allem die Export-Industrie in Baden-Württemberg. “Wenn sie geschwächt wird, dann frisst sich das durch. Das macht sich schon bemerkbar”, stellte er fest.  Der Neujahrsempfang am Freitag, 12. Februar, in der Dornhaner Stadthalle beginnt um 19 Uhr mit dem Stehempfang. Der offizielle Teil startet um 19.30 Uhr mit der Begrüßung durch IHG-Beirat Lothar Reinhardt und Bürgermeister Markus Huber. Zwischen den Programmpunkten hören die Besucher Jazz-Musik.

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